Goethes Geburt
Es geschah am 25. Dezember 1748. In Frankfurt, am Großen Hirschgraben 23, kam es in dieser Weihnachtsnacht zu einem Moment intensiver Lust. Ein neues Leben hatte begonnen – das Leben von Johann Wolfgang Goethe. Noch 247 Tage bis zu seiner Geburt. „Mit dem Glockenschlag zwölf“, schreibt Goethe in Dichtung und Wahrheit, sei er am 28. August 1749, einem Sonntag, in seinem Elternhaus in Frankfurt am Main, mithilfe der Hebamme Anna Dorothea Müller ans Licht der Welt gebracht worden. Drei Tage ließ Goethe sich bei der Geburt Zeit und bescherte der Mutter schwere Stunden. Nach den Erzählungen der Mutter Catharina Elisabeth Goethe, über ihren Erstgeborenen, kam Johann Wolfgang, durch die Ungeschicklichkeit der Amme, ganz schwarz und ohne Lebenszeichen zur Welt. Die Familie zweifelte, ob er überhaupt überleben würde. In einer Fleischarde wurde er dann jedoch wieder zum Leben erweckt. Eine Fleischarde ist eine Art Metzgermulde, ein flacher Trog, in der das scheinbare leblose Neugeborene in Wein gebadet und seine Herzgegend mit warmen Umschlägen behandelt wurde. Als er endlich die Augen aufschlug, rief die Großmutter Anna Margarete Textor, die hinter dem Bett stand: „Räthin! Er lebt!“. Die Großmutter legte Goethe an die Brust seiner Mutter, doch er war nicht zum Saugen zu bewegen. Da wurde ihm eine Amme gegeben und an dieser trank er dann mit großem Appetit und Behagen. Das glückliche Ende der schweren Geburt veranlasste Goethes Großvater Johann Wolfgang Textor, kurze Zeit später, zu erheblichen Spenden für Armenhäuser. Goethes Mutter Catharina Elisabeth soll das, so berichtet Bettina von Arnim, mit dem Satz kommentiert haben: „Schon in der Wiege war er den Menschen eine Wohltat“.